Donnerstag, 27. April 2017

Dörlesberg

Geschichte und Entstehung
Kirche Dörlesberg Die älteste Nennung Dörlesbergs findet sich in den ‚Triefensteiner Traditionsnotizen‘. Diese stammen aus den Anfangsjahren des 1102 gegründeten Stiftes. In ihnen wird Dörlesberg in einem Abschnitt über die „Grundausstattung“ genannt. Ihnen folgend erhielt das Stift Triefenstein „siebzehn Morgen und einen Weinberg“ in Dörlesberg, die durch den dortigen Pfarrer bewirtschaftet wurden. In den Triefensteiner Traditionsnotizen wird ein „Seyfridus in Doerlisbuer“ angeführt. Diese sind in einer Abschrift aus dem Jahr 1421 überliefert (StAWt-F Rep. 75 Nr. 406).

Man wird also davon ausgehen können, dass Dörlesberg bereits zu Beginn des 12. Jahrhunderts existierte, auch wenn die hierzu vorhandene Quelle nicht aufs Jahr genau datierbar ist. 1196 tauchte der Ort als Dorlich, 1201 mit dem Namen Törlesberg auf. In den Aufzeichnungen findet man 1202 Torlichespur, 1228 Dorlisbur, 1299 Turlichesbur und 1324 Torlinsburc als Namen. 1167 ist von Dörlesberg eine zum Kloster Triefenstein gehörige Kapelle mit Pfründen und Besitztum urkundlich ernannt. Bis 1543 übte das Kloster Triefenstein das Patronatsrecht über Kirche und Pfarrei Dörlesberg aus.

Später ging dieses Recht zum besseren Schutz auf die näher gelegene Abtei Bronnbach über. In den Religionswirren war die Gemeinde von 1553 bis 1612 vollständig zum protestantischen Glauben übergewechselt. Am 1.4. 1674 meldete der Bronnbacher Abt Franziskus Wundert mit den Worten "durch sonderbare Schickung Gottes und viel Müh und Sorgfalt ist es gelungen, Dörlesberg zu rekatholisieren“. Durch die Säkularisation wurde die Pfarrei 1805 selbstständig, und die Gemeinde verwaltete sich selbst.

Über all die Jahrhunderte war das Leben und der Ort durch die Landwirtschaft geprägt. 1910 erhielt Dörlesberg als eine der ersten Gemeinden in der Gegend eine Wasserleitung, der 1969 die Kanalisation folgte.

Die Aufbauzeit nach dem Zweiten Weltkrieg mit der fortschreitenden Industrialisierung brachte auch in Dörlesberg einen Grundlegenden Strukturwandel. Von der einst 75 landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieben findet man heute noch drei. Der überwiegende Teil der Bevölkerung arbeitet heute in der Industrie.

Ein weiterer Meilenstein wurde mit der Ausweisung von Baugelände nach der Flurbereinigung und der im Jahr 1972 durchgeführten Gemeindegebietsreform abgesteckt. Diese führte zur Eingliederung in die Stadt Wertheim. Stetig wuchs der Ort und entwickelte sich zu einem modernen Dorf mit derzeit ca. 800 Einwohnern.



Die Ortschaft Dörlesberg
Lebendiges Beispiel für Strukturwandel und Chancen durch Traditionserhalt


Vor nicht viel mehr als fünfzig Jahren begann in der bis dahin bäuerlich geprägten Ortschaft Dörlesberg ein einschneidender Umbruch. Aus einem typischen Bauerndorf, gelegen auf einem Buntsandsteinausläufer, einer Höhenlage in direkter Nachbarschaft zum Taubertal, wurde nach und nach ein Pendlerdorf. Arbeitsplätze in der etwa zehn Kilometer entfernt gelegenen Stadt Wertheim, ersetzten die unattraktiv gewordenen bäuerlichen Tätigkeiten.

Die übrig gebliebene Landwirtschaft spezialisierte sich zunehmend und damit ging der Strukturwandel auch an Dörlesberg nicht vorbei. Waren zu Nachkriegszeiten der Zusammenhalt und die Dorfgemeinschaft noch fast ausschließlicher Richtwert für das fest gefügte dörfliche Zusammenspiel, so wurde dieser durch die unterschiedlichen neuen sozialen Stellenwerte in Abhängigkeit vom jeweiligen Arbeitsplatz gänzlich ersetzt.

Es entstanden auch unter dem Einfluss des Zuzuges von Neubürgern zwei Straßenzüge mit Neubauten, die sich nach damaliger Geschmacksrichtung modern und gänzlich unterschiedlich zu den alten Hofreiten des ehemaligen Straßendorfes gesellten. Im Laufe der Jahre entwickelte sich ein gut angenommener Standort für Gewerbe und kleinere Industriebetriebe, die heimische Arbeitsplätze bieten.



Bevölkerungsentwicklung
Lebten im Jahre 1950 noch etwa 700 Einwohner in Dörlesberg, so schnellte die Zahl nach einer kurzen Phase mit nur 650 (1975) auf die bislang höchste Zahl von 887 Einwohnern in den neunziger Jahren. Momentan liegt der Bevölkerungsdurchschnitt bei etwa 800 Einwohnern.



Infrastrukturelle Maßnahmen
Seit der Eingemeindung nach Wertheim im Jahre 1972 wurden durch vorausschauende Bau- und Gewerbegebietsplanung insgesamt vier Neubaugebiete und ein Gewerbegebiet ausgewiesen und erschlossen. Der Grundstein dazu wurde 1974 mit dem Ausbau der Ortsdurchfahrt und der Anlage einer geeigneten Abwasserkanalisation gelegt. Eine eigene Kläranlage sowie der Anschluss an die Aalbach-Wasserversorgung folgten. Ein erster Meilenstein in der inzwischen fest verankerten Mitwirkung der Bürger bei der Durchführung von Projekten, war der Bau der Waldsporthalle 1987.

Hierzu hatte mit etwa 300.000 DM Eigenleistung, eine für Dörlesberg inzwischen nicht wegzudenkende Bereitschaft ihren Anfang genommen. Als Glanzleistung bürgerschaftlichen Engagements darf mit Stolz jedoch der Bau des 2003 fertig gestellten Bürgerhauses gesehen werden. Hierzu wurde in einer Bauzeit von 16 Monaten mit insgesamt 4360 Stunden Eigenleistung, ein zukunftsweisendes Projekt verwirklicht. Mit erheblichem Einsatz von verschiedenen Fördermitteln entstand so ein kulturelles Zentrum. Ein dörflicher Mittelpunkt sowie ein überaus gelungenes Domizil der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr.



Mittelpunkt lebendiger Gemeinschaft
Unter der Mitwirkung von Freiwilliger Feuerwehr und Musikverein schafften sich die Bürger ein Haus nach ihren Anforderungen. Besonders die Jugendausbildung in Zusammenarbeit mit der städtischen Musikschule Wertheim kann nun im Dorf stattfinden. Ein Anreiz für viele Eltern, ihre Kinder zur Ausbildung zu geben, um später im Verein aktiv mitspielen zu können.




Das Dorf als Arbeitsplatz
Eine erstaunliche Bilanz ergibt sich, wenn man bei derzeit etwa 800 Einwohnern die Zahl der innerörtlichen Arbeitsplätze dazu in Relation setzt. Eine aktuelle Erhebung des Ortschaftsrates ergab die Zahl von nahezu 300 Gesamtarbeitsplätzen, darunter auch etwa 20 Stellen für Auszubildende. Insgesamt sind vom mittelständischen bis hin zum Kleinstbetrieb zusammen 35 Firmen oder Gewerbetreibende in Dörlesberg in verschiedensten Sparten tätig.



„Infokanal“ und Kommunikation mit den Bürgern
Mit der Einrichtung einer Breitbandkabelanlage im Jahr 1992 wurde der Grundstein für ein momentan noch wichtiges Kommunikationsinstrument der Gemeinde gelegt. Ein besonders von älteren Mitbürgern angenommenes Instrument zur Informationsverteilung ist der so genannte „Infokanal, der jedem Anschlussnehmer zur Verfügung steht. Hier wird vom Zentralrechner im Bürgerhaus eine kontinuierlich zu empfangende Seite auf die privaten Fernsehbildschirme gesendet.

Neben aktuellen Informationen haben die Vereine natürlich ebenso ihr Forum wie die privaten Bürger oder die Gewerbetreibenden. Zusätzlich hat die Ortschaft einen Internetauftritt mit eigener Homepage (www.Dörlesberg.de). Neben diesen Kommunikationsmitteln hat der Ortschaftsrat natürlich durch die regelmäßigen öffentlichen Sitzungen ein Instrument zur optimalen Bürgerbeteiligung parat. Durch turnusmäßige Treffen mit allen Vereinsvorsitzenden und Verantwortlichen kann der Informationsfluss zeitnah ablaufen.



Kirche und politische Gemeinde wirken in Dörlesberg traditionell eng zusammen.
vor der Kirche in DörlesbergGegenseitiges Besinnen auf gemeinsame Wurzeln und guter Kontakt zueinander sind dabei die Pfeiler der Arbeit. So ist es selbstverständlich, dass die Vereine, insbesondere die musizierenden, das Kirchenjahr begleiten und die Kirchenfeste entsprechend feierlich umrahmt werden. An Fronleichnam legen die Gläubigen prächtige Blumenteppiche in den Straßen auf. Die Bevölkerung ist mit 78 % überwiegend römisch-katholisch.



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